Ein Resümee des 20. Jahrhunderts – 2000 Back to the Future

Béla Bartók

geboren 25. März 1881 in Nagy Szent Miklós, Ungarn gestorben 26. September 1945 in New York, USA

Béla Bartóks Interesse an der Volksmusik ist wohl bekannt: Zwischen 1905 und 1918 reist er mit seinem Freund, dem Komponisten Zoltán Kodály, durch Ungarn, Rumänien und die Slowakei. Die dort gesammelten und dokumentierten Volksweisen transkribieren sie mit großer Sorgfalt. Die Ergebnisse dieser Arbeiten sind überaus vielfältig. Zunächst sind die beiden Musiker in der Lage, einen Schatz mit Tausenden von Melodien als Ausgangspunkt für weitere ethnomusikalische Studien vorzulegen. Und schließlich ist es auf diese Arbeiten zurückzuführen, dass die beiden Komponisten ein völlig neues vaterländisches Genre ungarischer Konzertmusik erschaffen, indem sie die während ihrer Forschungen gesammelten volksmusikalischen Versatzstücke mit ihrer ganz eigenen kompositorischen Ästhetik verschmelzen. Ihre Werke – und besonders die von Bartók – absorbieren die Rhythmen, die melodischen Elemente und die Harmonien dieser naiven und ursprünglichen Volksmusik und bereichern sie durch Erfassen und Verarbeiten ihres künstlerischen Urgrundes. 

Sonate Nr. 2 für Violine und Klavier (1923) Die 1923 geschriebene Sonate Nr. 2 für Violine und Klavier entsteht zu einer Zeit, da sich Bartók die denkbar größten Freiheiten im Hinblick auf Tonalität und Dissonanzen nimmt, und sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie Bartók folklorische Elemente in seinen Werken verarbeitet. Zwar handelt es sich bei allen Themen um originäre Musik von Bartók, und doch ist sie inspiriert von den Melodien ungarischer Volkslieder und von ungarischen Rhythmen. Darüber hinaus folgt das Formgerüst einer alten ungarischen Tradition, da die Sonate der charakteristischen, aus zwei Sätzen bestehenden Tanzform der verbunkos folgt: einem langsamen ersten Satz (lassu) folgt ein lebhafter und rhythmischer 2. Satz (friss). 

Der hauptsächlich lyrische und beschauliche erste Satz ist überaus kompliziert konstruiert und organisiert. Er ist in neun einzelne Teile gegliedert. Die ersten vier Teile (ABCD) werden – allerdings in variierter Form – in den zweiten vier Teilen gespiegelt (A’B’C’D’). Von diesen Teilen werden B’ und C’ zu einem größeren Teil zusammengefasst, der den Höhepunkt in der thematischen Ausführung dieses Satzes darstellt. Der neunte, für sich allein stehende Teil am Ende fasst das am Anfang des Satzes gespielte Thema noch einmal in Variationen zusammen. 

Der rhythmische und tanzähnliche zweite Satz ist formal ebenfalls unterteilt. Hier werden Elemente aus dem ersten Satz frei behandelt und variiert, parallel dazu entwickelt Bartók neue Motive und Rhythmen. Die beiden Sätze bilden zusammen ein äusserst gelungenes Ganzes, und insgesamt demonstriert dieses Werk Bartóks geniale Fähigkeit, folklorische Elemente in größere, komplexere Formen zu überführen. 

Mit freundlicher Genehmigung von Columbia Artists Management Inc.

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