Ein Resümee des 20. Jahrhunderts – 2000 Back to the Future

Ottorini Respighi

geboren 9. Juli 1879 in Bologna, Italien gestorben 18. April 1936 in Rom, Italien

Respighi, dessen bekanntestes Werk seine römische Trilogie Fontane di Roma, Pini di Roma und Feste Romane ist, scheint der Komponist großer romantischer Formen zu sein. Mit acht Jahren beginnt er, Geigenunterricht zu nehmen, und wenig später entwickelt sich auch sein Interesse am Komponieren. Seine formale Ausbildung in Kompositionslehre erhält er am Liceo Musicale in Rom, wo er sich intensiv mit dem deutschen Kompositionsstil beschäftigt. Als vollendeter Geiger, Bratschist und Pianist konzertiert er als Bratschist am Kaiserlichen Theater in Sankt Petersburg. Da er fließend Russisch spricht, nutzt er seine Sankt Petersburger Zeit und studiert bei dem großen russischen Meister Rimskij-Korsakow. Diese Studien sollen einen tiefen Einfluss auf seine spätere Orchestrierungstechnik haben. Stilistisch ist Respighis Musik eine Mischung aus schwelgenden Melodien voll reicher Harmonien. Er ist nicht nur ein Meister der Orchestrierung, sondern hat auch ein unglaubliches Geschick, italienische Szenerien in der Fantasie des Zuhörers entstehen zu lassen und deren Aufmerksamkeit über längere Zeiträume zu fesseln. Seine Musik zeigt einen starken Hang zum Impressionismus, bleibt aber gleichzeitig in einer Romantik verwurzelt, die an seinen Zeitgenossen Richard Strauss erinnert. Respighi zeigt lebhaftes Interesse an den Werken und Formen früherer Komponisten und bewährt sich als kenntnisreicher Bearbeiter und Arrangeur der Werke von Komponisten wie Monteverdi, Tartini, Vitali und Vivaldi. Aus diesen Quellen schöpft vermutlich der Passacaglia- Satz der Sonate.

Violin-Sonate in h-moll, P 110 (c. 1917) Diese Violin-Sonate in h-moll wird kurz nach der überaus erfolgreichen Premiere der Fontane di Roma geschrieben & ein Orchesterwerk, das Respighi mit einem Schlag internationales Ansehen als Komponist einbringt. Zeitgleich zu den Arbeiten an der Sonate arbeitet er im Auftrag des Impresarios Diaghilew am Arrangement einiger Rossini-Stücke für die Kompanie Ballets Russes. Daraus wird La boutique fantasque. Daneben vollendet er seine Antiche danze ed arie per liuto (altitalienische Lautentänze und –weisen). Die Sonate zeigt nur wenige Einflüsse dieser Stücke, dafür aber eine enge Seelenverwandtschaft mit Brahms. Der formale Aufbau mit drei Sätzen ist konventionell, individualistisch ist jedoch das sich ständig ändernde Metrum im Moderato genannten ersten Satz. Der zweite Satz, Andante espressivo, ist leidenschaftlich, expressiv und lyrisch mit ständig fluktuierenden Harmonien.

Inspiriert vom Thema des letzten Satzes der 4. Symphonie von Brahms basiert der letzte Satz der Sonate auf der alten Form der Passacaglia und trägt die Bezeichnung Allegro moderato, ma energico. Das ostinato-Thema hat nicht die erwartete Phrasierung mit acht Takten, sondern verwendet eine Phrasierung mit zehn Takten und wechselt ständig zwischen Violine und Klavier. Dies wiederholt sich achtzehnmal innerhalb des Satzes, wechselt in der Mitte zu E-Dur, erhöht das tempo und nimmt dann wieder die Tonart h-moll an. Danach wird das Tempo zurückgenommen auf Lento, dann Adagio, und auch die Tonart moduliert zu H-Dur. Gegen Ende des Satzes erscheint das ostinato wieder in seiner ursprünglichen Form gespielt mit der linken Hand, wiederum in h-moll und unmittelbar vor dem Coda. Die Premiere der Sonate ist am 3. März 1918 in Bologna mit dem Violinisten Federico Sarti und Ottorini Respighi selbst am Klavier.

Elizabeth E. Torres

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